Über uns
Wenn mich heute jemand fragt, wie eine Uruguayerin nach Mecklenburg gekommen ist, dann antworte ich meistens: durch die Liebe und durch einen Traum.
Geboren und aufgewachsen bin ich in Uruguay. Dort lernte ich meinen späteren Mann Heino kennen. Er erzählte mir von einem Ort am anderen Ende der Welt, von weiten Wiesen, alten Bäumen und einem Gutshof, der über Jahrhunderte seiner Familie gehört hatte. Gut Dalwitz war seit 1349 in Familienbesitz gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie enteignet und musste ihre Heimat verlassen. Für Heino war Dalwitz immer mehr als nur ein Ort. Es war ein Stück Familiengeschichte und ein Teil seiner Identität.
Damals hätte ich mir nie vorstellen können, dass dieser Ort einmal mein Zuhause werden würde.
Heino und ich lernten uns in Uruguay kennen und manchmal schreibt das Leben seine schönsten Geschichten ganz schnell. Bereits nach drei Wochen verlobten wir uns. Von Anfang an verband uns die gemeinsame Vorstellung, etwas Eigenes aufzubauen und neue Wege zu gehen. Heino sprach oft von Dalwitz, von seiner Familiengeschichte und von dem Traum, eines Tages auf das Gut zurückzukehren.
Ein Jahr später wagten wir gemeinsam den großen Schritt nach Deutschland. 1992 kamen wir nach Dalwitz, voller Hoffnung, Tatendrang und mit vielen Ideen für die Zukunft. Was uns erwartete, war keine einfache Aufgabe. Das Gut befand sich in einem Zustand, der viel Arbeit, Geduld und Mut erforderte.
1993 wurde unsere Tochter Alexa geboren. Mit ihrer Geburt begann für uns neben dem Aufbau von Gut Dalwitz eine zweite, mindestens ebenso große Aufgabe. Schon früh zeigte sich, dass Alexa schwer krank war. Sie litt an Epilepsie und benötigte viel Pflege, Aufmerksamkeit und Begleitung.
Plötzlich bestand unser Leben aus zwei großen Baustellen: dem Wiederaufbau eines Gutshofes, der Jahrzehnte des Verfalls hinter sich hatte, und der Verantwortung für ein Kind, das uns jeden Tag aufs Neue brauchte. Beide Aufgaben forderten unsere ganze Kraft.
Im Jahr 2003 traf uns schließlich der schwerste Schicksalsschlag unseres Lebens. Alexa verstarb im Alter von nur zehn Jahren an den Folgen ihrer Erkrankung. Der Verlust unserer Tochter hinterließ eine Lücke, die niemals ganz geschlossen werden kann.
In dieser Zeit standen wir vor vielen Fragen. Eine davon war, ob wir überhaupt die Kraft hätten, mit Gut Dalwitz weiterzumachen. Für einen Moment dachte ich sogar daran, alles hinter uns zu lassen und nach Uruguay zurückzukehren. Doch als ich sah, wie eng Heinos Herz mit diesem Ort verbunden war, wusste ich, dass ich ihm nicht auch noch diesen Traum nehmen konnte. Der Verlust eines Kindes war bereits eine unermessliche Trauer. Ich wollte nicht, dass er gleichzeitig auch seine Heimat und seine Lebensaufgabe verliert.
Wenige Monate später fand ich im Nachlass meiner Schwiegermutter die Tagebücher und Briefe des Großvaters meines Mannes aus dem Jahr 1945. Beim Lesen seiner Aufzeichnungen verstand ich zum ersten Mal wirklich, was Dalwitz für die Familie meines Mannes bedeutete. Seine Worte erzählten von Verlust, von Heimat, von Glauben und von der Kraft, trotz schwerster Schicksalsschläge weiterzugehen.
Während ich diese Zeilen las, wurde mir bewusst, dass jede Generation der Familie ihre eigenen Prüfungen bestehen musste. Der Großvater hatte seine Heimat verloren. Wir hatten unsere Tochter verloren. Und doch verband beide Geschichten derselbe Gedanke: nicht aufzugeben.
Besonders ein Satz hat mich damals tief berührt:
„Und so soll alles, was wir gelitten haben, dazu dienen, uns für den Rest des Lebens noch fester zusammenzuschließen, damit wir auch das veränderte Leben nicht nur ertragen, sondern auch wieder genießen können.“
Diese Worte gaben mir Kraft. Sie halfen mir zu verstehen, dass Schmerz und Verlust Teil des Lebens sind, aber nicht das Ende bedeuten müssen. Vielleicht war es genau dieser Moment, in dem ich endgültig beschloss, in Dalwitz zu bleiben und gemeinsam mit meiner Familie weiterzumachen.
Dalwitz